Neues zum New Presence-TeilprojektMicro Credit-System für Landfrauen’:

 

Die Schwestern, die in Gurugunta das Projekt „New Presence“ leiten, betreuen mittlerweile 45 Frauengruppen, die kleine Ersparnisse haben und sich als Selbsthilfegruppen organisiert haben.

Die Gruppen gewähren ihren Mitgliedern aus dem Geld, das die Gruppe angespart hat, Kredite zu niedrigen Zinsen. Oder sie leihen auch Geld bei der Bank, um sich ein kleines Gewerbe aufzubauen, um Saatgetreide zu kaufen oder um Milchvieh zu erwerben.

Die Rückzahlung der Kredite klappt gut, das ganze System hat sich bewährt.

Missio hat mich vor zwei Wochen informiert, dass insgesamt 900 Euro zusammengekommen sind, das ist echt ganz super toll von Euch!!! Missio hat das Projekt gut geheißen und zahlt noch einmal 10% drauf. Die erste Überweisung über 450 Euro ist bereits in Indien angekommen.

Das Geld soll einer neuen Frauengruppe, die aus 25 Frauen besteht, als Basiskapital zur Verfügung gestellt werden. Davon können sich etwa 2/3 der Frauen ein Kleingewerbe aufbauen und damit sich und ihre Familien unabhängiger machen.

Die übrigen Frauen werden warten, bis die anderen ihre Kredite zurückzuzahlen beginnen, um dann auch einen Kredit zu erhalten.

Das Bild unten zeigt eine der Frauengruppen in Gurugunta bei ihrem wöchentlichen Treffen (sangha), bei dem die Ersparnisse in das Sparbuch eingetragen werden (Das Bild wurde mir von einer Mitarbeiterin der OECD, die das Projekt „New Presence“ vor 6 Wochen besucht hat, geschickt).

 wöchentliches Micro-Kredit-Frauengruppentreffen

 

Das Projekt "New Presence"

 

Das Projekt "New Presence" ist ein Projekt der Schwestern vom Hl. Josef von Cluny, ein Orden, der 1807 in Frankreich gegründet wurde, damals mit dem Ziel der Missionierung.

 

Die Zeiten haben sich geändert! Mittlerweile leben von den 3000 Schwestern, die der Orden heute zählt, 1000 in Indien, weitere ca. 1500 in diversen anderen Dritte-Welt-Ländern und nur noch ein kleiner, abnehmender Teil in Europa. Die Schwestern in Europa werden heute von denen aus der Dritten Welt unterstützt, Konvente werden komplett von Schwestern aus der dritten Welt übernommen.

 

Das Projekt "New Presence" ist ein Pilot-Projekt einer der beiden südindischen Provinzen des Ordens. Es verfolgt das Ziel, den Menschen in den Dörfern, die am wenigsten Entwicklungsmöglichkeiten haben, ohne kostenträchtige Programme helfen. Es handelt sich durchweg um Dörfer, in denen es weder Krankenstationen noch soziale Einrichtungen gibt, dies sind Dörfer im Bundesstaat Karnataka, etwa auf halben Weg zwischen Bombay und Bangalore.

 

Es sollen, abweichend von den bisherigen Herangehensweisen staatlicher und nicht-staatlichen Hilfsorganisationen, weder Gebäude gebaut noch feste Organisationsstrukturen aufgebaut werden.

 

Jeweils zwei Schwestern mieten eine „Wohnung“ (1-2 Räume) in einem Dorf, leben dort unter denselben einfachen Bedingungen wie die Einheimischen, kleiden sich wie die einheimischen Frauen und betreiben keine Missionstätigkeit.

 

Ziel des Projektes ist es ausschließlich, den Frauen des jeweiligen Dorfes zu zeigen, welche Möglichkeiten sie haben, die Lebensbedingungen ihrer Familie zu verbessern und Wege der Entfaltung aufzuzeigen.

 

Wenn man sich an die Frauen der Dörfer wendet und Frauen-Selbsthilfegruppen aufbaut, so hat das den einfachen Grund, dass die Kommunikation von Frau zu Frau am besten funktioniert; Grund ist aber auch, dass die Frauen oft weniger desillusioniert und eher bereit sind, neue Wege einzuschlagen.

 

Ein gutes Erfolgsbeispiel hatte folgenden Hintergrund: In den Dörfern wird oft illegal Schnaps gebrannt, da mit Schnapsbrennen die höchsten Gewinne erzielbar sind. Andererseits betäuben gerade die Männer der Dörfer ihren Frust über das perspektivlose Dorfleben mit Schnaps und vertrinken so das Einkommen ihrer Familien.

 

Einige Frauengruppen entschlossen sich mit der Unterstützung der Schwestern nun, dieses Kernproblem anzugehen. Die Frauen stellten die Schnapsbrenner und Schnapsverkäufer vor die Wahl, das Schnapsgeschäft aufzugeben, oder der Polizei gemeldet zu werden.

 

Alle gaben unter dem massiven Druck der Frauengemeinschaften ihr Tun auf, nur ein Schnapsverkäufer wollte sein gut gehendes Geschäft nicht der Frauen wegen stilllegen. Daraufhin zeigten ihn die Frauen an und der Schnapsverkäufer wurde inhaftiert.

 

Schon kurz darauf drängten Dorfvorsteher und lokale Politiker die Polizei, den Inhaftierten wieder frei zu lassen, um so den unliebsamen Einfluß der Frauen zu brechen und die bisherigen Strukturen wieder herzustellen. Die Frauen wiederum setzten die Polizei mit der nächst höheren Aufsichtsbehörde unter Druck.

 

Anschließend handelten sie einen Kompromiß mit der Polizei aus: Der Inhaftierte sollte seine Freiheit dann wiedererhalten, wenn er der Polizei die Einstellung der Schnapsvermarktung zusicherte.

 

Auf diese Weise wurden Schnapsherstellung und Konsum in einigen Dörfern unterbunden.
Gleichzeitig akzeptierte man den erhöhten Einfluß, den Frauengemeinschaften sich erkämpft hatten.

 

Die Tätigkeit der Schwestern ist nicht frei von Gefahren. Sie müssen mit einem Höchstmaß von Sensibilität vorgehen, um eskalierende Konflikte und Konfrontationen zwischen den Frauen einerseits und den etablierten dörflichen Machtstrukturen andererseits zu vermeiden. Es gab schon einen Fall, wo die Schwestern sich wegen Gewaltandrohung aus einem Dorf zurückziehen mußten.

 

Insgesamt ist der bisherige Erfolg dieses unkonventionellen Projektes so groß, dass bei der letzten Projektvorstellung in Paris eine Verlängerung um weitere fünf Jahre beschlossen wurde, unter der Randbedingung ausreichender Mittel.